Video-Interview (Teil 1): Wissenschaftskommunikation an der Elite-Universität Cambridge

Wissenschaftskommunikation in Cambridge: Stuart Roberts gibt spannende Einblicke

Wie in allen Berufen lohnt sich auch in der Wissenschaftskommunikation der Blick über den Tellerrand: Wie machen es andere? Welche wissenschaftlichen Storys „funktionieren“ besonders gut? Und warum ist Wissenschaftskommunikation überhaupt wichtig? Über diese Themen haben wir mit Stuart Roberts gesprochen. Er ist stellvertretender Leiter der Abteilung Forschungskommunikation an der renommierten Elite-Universität Cambridge. Im ersten Teil unseres Interviews verrät er uns seine Sicht der Dinge und bringt den Grundauftrag der Wissenschaftskommunikation auf den Punkt. Dieser lautet: Wissenschaftliche Inhalte einem breiten Publikum zugänglich machen – auf so vielen Kanälen wie möglich und so facettenreich wie möglich.

Warum ist Wissenschaftskommunikation überhaupt wichtig?

Stuart Roberts: „Wissenschaftskommunikation ist wichtig, da Wissenschaft alles und jeden betrifft. Was in den Bereichen Gesundheit oder Umwelt alles passiert, hat Auswirkungen auf uns alle: Beispielsweise werden 50 Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben an Krebs erkranken. Jeder von uns wird jemanden kennen, der schon einmal Krebs hatte. Dieses Thema ist also extrem wichtig für uns alle. Das Gleiche gilt für das Thema Umwelt. Der Klimawandel, der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels und die Erwärmung der Meere betreffen schließlich nicht nur Menschen, die auf Inseln leben. Diese Entwicklungen betreffen uns alle und es lohnt sich, wissenschaftliche Erkenntnisse zu reflektieren und zu verstehen, was diese für unseren Planeten bedeuten. Daher ist es aus meiner Sicht wichtig, wissenschaftliche Inhalte zu kommunizieren – nicht nur an andere Wissenschaftler oder Akademiker, sondern an so viele Menschen wie möglich.“

Welche Storys sollten erzählt werden?

Stuart Roberts: „Ich bezweifele, dass es in punkto Storytelling feste Regeln gibt. Wir sollten so viele verschiedene Geschichten wie möglich erzählen und die gesamte Bandbreite der Forschungsarbeit, die in Cambridge oder in anderen Institutionen erbracht wird, präsentieren. Wir sollten uns also nicht auf die Frage beschränken, welche Storys wir sinnvoll finden, sondern jede Story individuell bewerten und prüfen, welchen Mehrwert sie hat. Und natürlich gibt es Themen – wie zum Beispiel Gesundheit -, die Menschen besonders interessieren, da es Dinge sind, die sie direkt betreffen. Aber egal, ob es um Astronomie oder unseren Platz im Universum geht – all diese verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen haben ihre eigenen Geschichten und es ist wichtig, dass wir sie alle erzählen.“

Wissenschaftskommunikation: Darauf kommt es beim Storytelling an

Welche Social-Media-Kanäle eignen sich besonders?

Stuart Roberts: „Das lässt sich nicht pauschal sagen, es kommt auf eine gute Mischung an. Aus meiner Sicht sollte man sich nicht auf einen spezifischen Social-Media-Kanal oder eine Zielgruppe komplett fokussieren, denn dann verschenkt man vielleicht Potential. Beispielsweise verbringen Menschen im Schnitt 40 Minuten pro Tag auf Youtube, ein Drittel aller Internetnutzer hält sich bei Youtube auf – es gibt also dort ein Milliardenpublikum. Auch bei Facebook gibt es ein riesiges Publikum, fast die halbe Welt ist dort zu finden. Man sollte also wirklich versuchen, so viele Menschen wie möglich und auf so unterschiedliche Art und Weise wie möglich zu erreichen. Ich denke, dass darin der Kern von Wissenschaftskommunikation und von Kommunikation überhaupt liegt: Geschichten zu entdecken und diese für ein größtmögliches Publikum zugänglich zu machen – sei es auf Twitter, Facebook oder sogar auf Snapchat. Die Universitäten sind mittlerweile alle auf Social Media unterwegs, Instagram ist da ein gutes Beispiel. Man kann dieselbe Story auf verschiedenen Kanälen und auf leicht abgeänderte Art und Weise erzählen. So kann man dafür sorgen, dass man möglichst viele Menschen erreicht und dass sie verstehen, warum Wissenschaft und Forschung in Cambridge oder an anderen Universitäten so wichtig sind – nicht nur für uns, sondern auch für sie.“

Wir bedanken uns bei Stuart Roberts für das interessante Interview. Im zweiten Teil erklärt er, wie man Videos in der Wissenschaftskommunikation effektiv einsetzt.

Thema Kommunikation: Weiterbildungsangebote

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Als Content & Social Media Managerin verantwortet Sara Goldenberg in der Europäischen Akademie das Online-Magazin „Zukunft hoch 4“ und ist Teil des Social Media Teams.
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