Wissenschaftskommunikation Reloaded

Zugegeben! Wissenschaftskommunikation kann manchmal etwas trocken und sperrig daherkommen: Komplexe Fachartikel, wissenschaftliche Publikationen, akademische Diskurse – scheinbar nichts, was für die breite Masse oder zumindest eine grundsätzlich neugierige Öffentlichkeit leicht zugänglich ist. Social Media kann dabei helfen, dieses Klischee zu durchbrechen. Die Vielfalt der Kanäle und die Chance, abertausende Menschen direkt zu erreichen, schaffen ganz neue Möglichkeiten. Um dieses Potential auszuschöpfen, muss sich freilich auch die Form der Kommunikation ändern. Prägnant statt umfangreich, kreativ statt gewöhnlich, dialogorientiert statt eindimensional – wer Social Media so nutzt, wird am Ende viel über sein (neues) Zielpublikum, die eigene Arbeit und nicht zuletzt über sich selbst erfahren.

Social Media – warum eigentlich?

Aber warum sollte man das aus dem vermeintlichen Elfenbeinturm heraus überhaupt tun? Ganz einfach: weil es die Komfortzone nicht mehr gibt. Wer sich überwiegend aus öffentlichen Geldern finanziert, der hat einen nicht unerheblichen Legitimationsdruck. Und zwar in der breiten, steuerzahlenden Öffentlichkeit – und nicht nur unter WissenschaftskollegInnen und allenfalls noch Studierenden.

Community Building: Tipps für die Praxis

Aber wie nutzt man all die Kanäle? Wie wirkt man über eine kleine, feine Community hinaus? Die schlechte Nachricht: Vorgefertigte Schablonen gibt es keine. Die gute: Einige Parameter kann man doch festmachen – und das ist zum Glück keine „Rocket Science“ sondern eine Mischung aus strategischen Überlegungen, kommunikativem Know-how und dem Wissen um seine Zielgruppen. Wer also Wirkung in den sozialen Netzwerken entfalten, auffallen und seine Themen vermitteln will, ist gut beraten, auf das zu setzen, was man „Content“ nennt. Also auf

interessante, redaktionell geplante Inhalte, die sich an den Bedürfnissen der Zielgruppe(n) orientieren.

  1. Nutzen: Ein wichtiger Punkt für die Inhalte ist die Frage: Was hat die Nutzerin oder der Nutzer davon? Jeder einzelne Content muss sich diese Frage gefallen lassen. Konkret heruntergebrochen heißt das: Wenn beispielsweise Studierende eine wesentliche Zielgruppe sind, dann sind Einschreibungskriterien genauso interessant wie Informationen über einen Tag der offenen Tür, Fördermöglichkeiten oder das Datum des Rektorstages. Klingt belanglos, sind aber passende Inhalte für Twitter, Facebook & Co. Gerade in diesen (sozialen) Medien erreicht man Studierende direkt und unmittelbar.
  2. Menschen und Geschichten: Wissenschaft ist meistens eine rationale Sache, spielt sich im Kopf ab, zielt auf den Geist. Aber bekanntlich sind WissenschafterInnen auch Menschen, die kognitiv auf Geschichten eingestellt sind. Und auf Role Models, Dramaturgien und Schicksale. Dem sollte man gerade mit Hilfe der direkten und unmittelbaren Kommunikation gerecht werden. Die regelmäßige Serie über „WissenschafterInnen, wie sie keiner kennt“ ist dabei genauso eine Möglichkeit wie die Geschichte über die zugelaufene Hochschulkatze. Cat content rules! Profan? Vielleicht. Denn auch über solche Inhalte erreicht man Menschen, die ansonsten nicht den Weg zur (virtuellen) Hochschule gefunden hätten. Und genau diese Menschen können in einem nächsten Schritt dann auch für die – natürlich ebenfalls anschaulich vermittelten – wissenschaftlichen Inhalte begeistert werden.
  3. Humor: Egal ob Witz oder guter Aprilscherz – Humor steigert die Aufmerksamkeit und öffnet die kognitive Wahrnehmung auf einer ganz anderen Ebene. Humorvolle Inhalte können zum Beispiel als Facebook-Grafik oder als kurzer Film präsentiert werden. In punkto Film muss es kein hochwertig gedrehter Spot sein. Oft reicht ein Handyvideo, hinter dem eine gute, kreative Idee steht. Ein bisschen Mut gehört dazu. Ein gutes Beispiel ist das BVG-Video, dass vor eineinhalb Jahren millionenfach geklickt und gesehen wurde (zugegeben: kein quick and dirty Handyvideo, aber mutig allemal).
  4. Call-to-Action: Wer die eigenen Follower und Fans längerfristig begeistern und binden will, tut natürlich gut daran, sie ab und zu einzubeziehen und nach ihren Ansichten zu fragen. Und auch hier gilt: Je geringer die Hürde, desto besser. Eine Abstimmung über das Maskottchen der Institution kann genauso wirksam sein wie eine Fotoaktion, bei der sich MitarbeiterInnen, Studierende und Freunde einer Hochschule ganz „offiziell“ mit dieser identifizieren können. Die Wiener Linien haben derartiges gemacht. Das Schöne ist: Die Reichweite solcher Aktivitäten geht weit über die wissenschaftliche Community hinaus und genau diese Leute können in einem nächsten Schritt sicherlich leichter an komplexere Inhalte herangeführt werden.
  5. „Klauen“: Nein, dies ist kein Aufruf zum Plagiieren und Ignorieren des Urheberrechts. Aber: Das Internet besteht aus Links, Verweisen, Empfehlungen. Wichtig ist, auf den Ursprung hinzuweisen oder ihn sogar in die eigene Erzählung einzubeziehen. Wenn also eine Hochschule eine originelle Kampagne zum Thema Grundlagenforschung startet, kann man auf den eigenen Social-Media-Kanälen darauf verweisen und die eigenen, vielleicht weniger glamourösen Ansätze zu diesem Thema aufs Tapet bringen. „Klauen“ ist aber auch: Ein originelles Video teilen. Oder eine kreative Präsentation einer Doktorarbeit. Um nur einige der unzähligen Möglichkeiten zu nennen.

Was es sonst noch braucht…

Nicht viel. Im Wesentlichen ein bisschen Mut, strategische Überlegungen und Selbstvertrauen, um über den eigenen Schatten zu springen. Dann klappt es auch, die Wahrnehmung einer vermeintlich sperrigen und trockenen Wissenschaftskommunikation zu überwinden.

Thema Social Media: Weiterbildungsangebot

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Answer Lang ist Kommunikationsexperte und fungierte zuletzt acht Jahre als Leiter der Unternehmenskommunikation der Wiener Linien.
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